Pfade der Fantasie

Allgemeines zum Rollenspiel

Vielleicht sollte ich mit einer kurzen allgemeinen Definition von Rollenspiel beginnen; nicht jeder weiß damit etwas anzufangen oder verbindet ganz andere Dinge damit. Wenn man das Wort auseinanderlegt, dann kommt man der Bedeutung schon ein wenig auf die Schliche: "Rolle" und "Spiel"... man spielt also eine Rolle. Oder um es anders zu sagen: Ein Rollenspieler schlüpft in einen Charakter/eine Figur in einer erdachten Umgebung/Fantasiewelt und handelt durch diese Figur.

Man kann es wohl ein wenig mit einer Art Schauspielerei vergleichen; nur dass hier kein Drehbuch vorhanden ist, dass vorschreibt wie der einzelne zu handeln hat, sondern dies jeder Spieler selbst entscheidet. Der Einzige, der hier eine Leitrolle spielt, ist der Spielleiter. Er ist für die Gestaltung der Spielumgebung, die Nicht-Spieler-Charaktere (=NSC; Charaktere, die nur für gerade notwendige Handlungsstränge benötigt werden und der Spielleiter nutzt z.B. um einen Auftrag an die Spieler zu erteilen), Mischung der Spielercharaktere und sämtliche Handlungen zuständig. Der Spielleiter selbst übernimmt im Allgemeinen keinen Spielcharakter. Mit dem Können des Spielleiters steigt oder fällt die Qualität eines Rollenspiels, er sorgt für die Stimmung der Gruppe und den Spielspaß.

Es ist zunächst wichtig sich zu entscheiden, in welcher Art von Rollenspiel man teilnehmen möchte; es gibt ja sehr viel Auswahl inzwischen, so dass eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei ist. Nur eines sollte man beachten: es gibt offene und geschlossene Plays; in offenen kann man jederzeit ohne Einschränkung einsteigen und in geschlossenen Plays muss man erst das Okay der Spielleitung haben, die den gewünschten Charakter genau prüfen wird, ob er reinpaßt ins ihr Spiel, bevor man mitmischen darf.

Es gibt das freie Fantasyrollenspiel, in dem man von Menschen über Zwerge, Elfen, Zauberer, Orks alles mögliche antrifft. Hier liegt es an den "Schaffern" wie die Welt gestaltet ist und welche Wesen dort leben. Die "Schaffer" legen auch die Regeln und Richtlinien ihrer Welt fest (ein Beispiel für eine solche geschaffene Welt findet ihr unter http://www.drachenschenke.de). Hier haben es Anfänger im Allgemeinen relativ einfach in die Materie einzusteigen. Daneben gibt's die festen Systeme, die sich etabliert haben wie z.B. Vampire, Werwolf, Mage (=Magier) oder Warhammer. Hierzu gibt es im allgemeinen Unmengen von Regelwerken und Quellenbüchern, von denen man sich als Anfänger oft erschlagen fühlt. Es ist in solchen Systemen sehr schwer ohne richtige Anleitung durch erfahrene Spieler reinzukommen und man hat durch die diversen Regeln etwas Vorlaufzeit bevor man mit dem Rollenspiel anfangen kann, um sich erst einmal damit vertraut zu machen.

Voraussetzungen - Charaktererstellung

Eines ist bei allen Rollenspielen gleich: man muss sich natürlich einen Charakter erschaffen. Auch hier gibt es unterschiedliche Systeme, die von Rollenspielart zu Rollenspielart unterschiedlich gestaltet sind. Generell wichtig ist es, dass ein Spieler sich mit seinem Charakter beschäftigt. Nichts ist schlimmer als ein liebloser, in 5 Minuten hingeschmierter Char, der in keinster Weise durchdacht ist und in den man sich nicht hineinversetzen kann.

Zunächst muss man sich über die Rasse seines Charakters klar werden, denn hierauf bauen viele der Eigenschaften auf oder werden ausgeschlossen (so ist ein Ork sicher nicht die absolute Schönheit; ein Magier wird kaum der supertolle Krieger sein, der mit allen Waffen umgehen kann). Hat man das, sollte man sich Gedanken über einen kleinen Steckbrief machen: Aussehen, Herkunft, Ausrüstung, Beruf, Talente, Fähigkeiten/Kenntnisse, Stärken und Schwächen sind darin wichtige Punkte.

Nun liegt schon ein Skelett vor einem... danach beginnt das Auffüllen: Erlebnisse, die der Charakter hatte, wieso er welche Schwäche oder Stärke hat, wie war die Kindheit und aus welchen "Stall" kommt er? Ist der Charakter ausgewogen und nicht als "Übermächtig" einzustufen (mit weniger mächtigeren Chars macht das Rollenspiel aus meiner Erfahrung wesentlich mehr Spaß)? Wie man sieht kann man das beliebig weiter spinnen und nach und nach entsteht ein abgerundetes Bild des Charakters. Teilweise fordern die entsprechenden Spielleiter noch gesonderte Informationen an, aber das ist sehr unterschiedlich.

Man sollte bei der Charerschaffung übrigens die Umgebung und Zeit, in der man spielen will, nicht vergessen. D.h. ein mittelalterlicher Char wie zB. ein Ritter hat nichts in einer modernen Kneipe verloren. Ebenso gilt das andersherum. Man muss also ein wenig Fingerspitzengefühl zeigen. Ebenso gilt das für die Ausrüstung: ein Ritter kann ja schlecht ein Gewehr haben, oder? Das wichtigste ist also, den goldenen Mittelweg zwischen Fantasy und Realität zu erwischen. Denn nur dann macht es wirklich Spaß.

Bei den festen Systemen (z.B. Vampire) gibt es Charbögen, in denen feste Punkte vorgegeben sind, die man festlegen muss. Hier gilt es wieder sehr viele Regeln zu beachten, die diese Erklärung hier absolut sprengen würden, daher verweise ich auf entsprechende Seiten hierzu im Internet.

Ansonsten braucht man natürlich einen Ort wo man spielen kann, ich selbst nutze Worldtalk und AOL als Plattformen. Dort findet man auch Gleichgesinnte, die mit einem spielen. Wichtig bei zB. einem Vampir-Char ist allerdings die Kenntnis von bestimmten Regeln, daher sollte man erst mal mit einem einfacheren Char starten und wenn man dann Kontakt zu Spielern hat erst an etwas Schwierigeres denken oder von vornherein klarmachen das man Anfänger ist.

Wichtige Bitte: KEINE ÜBERMÄCHTIGEN CHARS! Die werden schnell abgesägt und keiner will mit einem spielen. Natürlich kann ein Char auch bestimmte Kräfte haben, aber immer mit Maß und Ziel. Ansonsten braucht man nur Fantasie und Kreativität sowie die Lust daran dieses auszuleben. Alles andere kommt dann von selbst.

Chat-Rollenspiel

So nun habe ich meinen Charakter und jetzt? Nun sollte man ihm Leben einhauchen. Hierzu gibt es verschiedene Plattformen: die Chats (oder auch Foren). Ein Raum, der Taverne zum Wanderer oder Drachenschenke heißt, ist sicherlich ein Rollenspielraum und hier findet man Gleichgesinnte. Ich rate einfach mal am Anfang ein wenig zu zusehen, um so ein Gefühl davon zu bekommen, wie Chatrollenspiel abläuft. Auch kann man sich so erst einmal einen ersten Eindruck verschaffen.

Das Rollenspiel im Chat ist wohl eine Mittelding zwischen Pen&Paper und LARP. Dort gibt es ebenso Spielleiter und die unterschiedlichsten Spielsysteme. In solchen Räumen sind nur Rollenspiel-relevante Äußerungen erwünscht; also bitte nicht reinkommen und ein "hallo hier bin ich wer will mit mir Chatten" oder so was reinschreiben. Sobald man in einen Rollenspielraum geht, befindet man sich in einer ganz anderen Welt und sollte sich entsprechend verhalten. Ist ein nicht zum Play gehörender Kommentar unumgänglich, dann diesen bitte in Doppelklammern ((...)) setzen. Zuviel Doppelgeklammer stört allerdings das Spiel, daher dies bitte nur im geringen Maße.

Es gibt Rollenspiele mit Spielleiter und sogenannte Freeplays, wo Spieler einfach spontan und nach Lust und Laune miteinander spielen (oft in den Tavernen und Schenken der Fall). Hier kann man einfach einsteigen und es entwickeln sich aus solchen Freeplays nicht selten feste Plots (Rollenspielhandlungsstränge), die dann in Privaten Räumen (also nicht mehr für jeden zugänglich) weitergeführt werden.

Im Chat kann man seinen Charakter durch miteinander sprechen oder durch Aktionen handeln lassen z.B. "Ameria: "Wirt bringt mir ein Met"" oder "Ameria betritt die Schenke und schließt die Türe hinter sich". In den Freeplays schaut man was im Raum passiert und schaltet sich dann ein. Wenn zum Beispiel der Wirt kommt und nach den Wünschen fragt hat man sofort einen Einstieg oder wenn jemand alleine an einem Tisch sitzt, kann man hingehen und fragen ob man sich dazu setzen darf. Wenn man dann schon häufiger dabei war, kennt der Charakter andere und man hat sofort Spielstoff.

Für die Würfelfreaks (ich mags nicht so) gibt es in vielen Chats auch die Möglichkeit zu würfeln; daher muss ein Chat, der von vielen Rollenspielern ausgewählt werden soll, eine Würfelfunktion haben. Hier kann man dann - sofern es gewünscht bzw. von der Spielleitung gefordert wird - das Ergebnis von Aktionen auswürfeln. Bei Kämpfen kann man als sehr einfache Variante sagen: der mit dem höheren Ergebnis kann seine Aktion durchführen.

Ein einfaches Beispiel: Ein Char greift einen anderen mit dem Schwert an und versucht die Schulter zu treffen Gewinnt der Angreifer das würfeln, glückt der Schwerthieb in Richtung Schulter; wie gut er glückt hängt von der Höhe der Differenz zwischen den Würfeln von Angreifer und Verteidiger ab Gewinnt der Verteidiger den Wurf, kann er sich z.B. durch eine Drehung dem Schwerthieb entziehen Natürlich kann man einen Kampf auch ohne zu würfeln spielen, hier ist allerdings die Vernunft der Spieler gefragt. Man kann nun mal nicht ständig ausweichen oder mit super vielen Wunden kämpfen wie ein junger Gott. Wichtig ist auch der Grundsatz Aktion - Warten auf Reaktion des Mitspielers, d.h. wenn ich einen Angriff starte, dann muss ich warten, bis mein Mitspieler darauf reagiert hat bevor ich weiter mache. Diese Art von Kampf empfehle ich nur, wenn man seine Mitspieler auch kennt und mit ihnen und ihrer Spielweise klar kommt.

Generell sollte man darauf achten, dem Mitspieler keine Aktionen aufzuzwingen (z.B. "ich schlage dir den Kopf ab"); dies nennt man unter (Chat-)Rollenspielern Powerplay und es ist sehr verpönt. Es gilt immer der Grundsatz, dass der User eines Charakters das letzte Wort hat, was mit seinem Char passiert.